Kleine Sender - große Möglichkeiten: Was sind eigentlich Beacons?


24.09.2014

Beacons sind seit einiger Zeit in aller Munde und werden kontrovers diskutiert. Doch was steckt genau dahinter?

Beacons sind kleine, auf Bluetooth Low Energy basierende Geräte, welche in definierten Intervallen Informationen zur eigenen Identität versenden. Diese Datenpakete können von umliegenden Smartphones mithilfe einer App verarbeitet werden, um beispielsweise den Standort des Nutzers zu ermitteln oder weiterführende Informationen anzubieten. Die Standortermittlung erfolgt ohne die Beihilfe von GPS o. ä. und hat damit den Vorteil, dass sie auch in geschlossenen Räumen möglich ist.  Die Funktechnik Bluetooth ermöglicht es, die Signale der Beacons mit einer Reichweite von bis zu  450 Metern bei long range Beacons zu verbreiten.

Bluetooth Low Energy wird von Apple ab iOS 7 und bei Android ab Version 4.3 unterstützt, wenn das jeweilige Endgerät mit einem Bluetooth Modul ab der Version 4.0 ausgestattet ist. Dies ist bei allen aktuellen Geräten bereits der Fall.

Welche Möglichkeiten bieten Beacons?

Beacons bieten neue und weitreichende Chancen für Marketing, Kundenansprache und Kundenbindung. Von individuellen Spezialrabatten über die Steuerung einer Heimautomatisierung bis hin zu Zahlungsanwendungen und weitreichenden Statistikerhebungen (z. B. real time Heatmaps) sind vielfältige Anwendungsfälle in unterschiedlichsten Branchen möglich.  

Denkbar wäre z. B. ein Einsatz im stationären Handel oder in größeren Warenhausketten, deren App der Kunde ohnehin bereits auf seinem Smartphone installiert hat. Läuft der Kunde nun an einer Filiale vorbei, werden im Sendebereich befindliche Beacons vom Endgerät erkannt und die bereits installierte App könnte dem Nutzer automatisch eine Benachrichtigung senden um auf aktuelle Tagesangebote hinzuweisen. Betritt der Kunde nun das Geschäft, könnten weitere zielgerichtete Benachrichtigungen folgen. Man könnte z. B. weitere Informationen zu bestimmten Produkten anbieten, falls der Kunde sich länger als 15 Minuten vor einem Regal aufhält. Stammkunden könnten leicht anhand der Besuchshäufigkeit und Verweildauer identifiziert werden und mit individuellen Rabatten bevorzugt behandelt werden.  

Der Blick nach Amerika zeigt, dass täglich immer mehr Kaufhäuser, Veranstaltungen, etc. diese neue Technologie nutzen. Man kann also davon ausgehen, dass Beacons zukünftig zur Marke gehören wie Newsletter oder Webseiten. Die Identifizierung eines Kunden mithilfe von Apps hilft zudem, Informationen über das Kaufverhalten zu sammeln.

Auch in weiteren Branchen sind interessante Einsatzgebiete denkbar. So könnten zum Beispiel Museumsführerapps automatisch das Kunstwerk erklären, vor dem man gerade steht und somit eine interaktive und individuell auf den Nutzer zugeschnittene Führung ermöglichen. Bei Veranstaltungen könnten Besucherströme automatisch zu den Eingängen gelotst werden, an denen der Andrang am geringsten ist. Im Hotel könnten beispielsweise die Auslastungen der Wellnessabteilung durch kurzfristige Benachrichtigungen über Restplätze optimiert werden.   

Riesige Einsatzmöglichkeiten -  zahlreiche Angriffspunkte für Datenschützer

Wie immer freuen sich die Marketingabteilungen, während Datenschützer Alarm schlagen. Sie warnen in diesem Fall  vor einem weiteren, immensen Schritt in Richtung „gläserner Kunde“. 

Die Verlockung, den Kunden per Benachrichtigung mit Sonderangeboten zu überschütten, ist groß – und gefährlich. Apps, welche aufgrund von innerhalb der Reichweite befindlichen Beacons Aktionen ausführen, werden unter iOS automatisch und ohne die Interaktion des jeweiligen Nutzers gestartet. D.h. es reicht aus, wenn die App auf dem Gerät installiert ist, um im geeigneten Moment darauf reagieren zu können und dem Nutzer beispielsweise eine Benachrichtigung anzuzeigen. Voraussetzung ist, dass Bluetooth aktiv ist und dass der Nutzer sich innerhalb des Sendebereiches der Beacons befindet. All dies passiert unaufgefordert, möglicherweise überraschend und eventuell auch unerwünscht.

Der Grat zwischen nützlichem Service und unerwünschter Überwachung ist schmal. Entscheidend für den Erfolg des Beacons-Konzepts wird die Ausgestaltung der Apps sein. Kunden werden sich nicht allein von Rabatten und einem bequemen Check-Out locken lassen, wenn sie das Gefühl haben, auf Schritt und Tritt beobachtet zu werden. 

Open New Media beschäftigt sich momentan intensiv mit dem Thema Beacons. Wir machen uns fit für die Zukunft. Folgen Sie uns auf Twitter, hier gibt es immer aktuelle Infos zum Thema, News von besuchten Konferenzen, etc.

Bild Quelle: http://estimote.com/press-kit/


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